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Vielfalt des Regenwaldes

Regenwald am Ufer des Tambopata Flusses in Peru. (Photo von R. Butler)


SONNENENERGIE/KLIMA
Das heiße und feuchte Klima spielt eine wichtige Rolle bei der Mannigfaltigkeit der Regenwälder. Als allgemeine Regel gilt, dass Vielfalt und Ökosystem produktivität mit der Menge der dem System verfügbaren Sonnenenergie zunehmen. Sonnenlicht wird über die Blätter der Baumkronenpflanzen mittels Photosynthese erfasst, in einfache Zucker umgewandelt, und dann durch das ganze Waldenergiesystem weitergegeben, da die Blätter und Früchte gefressen und von unterschiedlichen Organismen zersetzt werden. Die erste Maßnahme der primären Produktion des Ökosystemnetzes ist die Fixierung des Karbons durch die Pflanzen. Tropische Regenwälder haben die höchste mittlere Nettoprimärproduktion eines jeden terrestrischen Ökosystems, was bedeutet, dass ein Hektar Regenwald mehr Karbon als ein Hektar eines anderen Vegetationssystems speichert. Das feuchte Klima fügt noch einen weiteren wichtigen Inhaltsstoff zur Bereicherung der Vielfalt hinzu: Wasser

STABILITÄT

Die stabile tropische Regenwaldumgebung fördert die Vielfalt, indem sie es ermöglicht, dass Pflanzen und Tiere das ganze Jahr über interagieren, ohne dass die Notwendigkeit besteht, sich gegen Frost oder Kälte zu schützen. Hinzu kommt, dass aufgrund des ganzjährigen Sonnenscheins den Pflanzen die Energie geliefert wird, die für die Erzeugung von Nahrung über die Photosynthese nötig ist, so dass es keine saisonale Knappheit im Ökosystem gibt. Die überreiche Nahrungsquelle für Pflanzen (Sonnenlichth) geht durch das System an Herbivoren, die Pflanzenblätter, Samen und Fürchte konsumieren und von diesen an Fleischfresser, die Pflanzenfresser fressen. Im Verlauf von Millionen von Jahren haben die Regenwaldarten mit einer überreichen Nahrung sich derart angepasst, dass sie von den verfügbaren Nischen profitieren können.

Millionen an Jahren der Auseinandersetzung zwischen Raubtier und Beute resultierten in einer breiten Palette von Verteidigung, Waffen und Spezialisierung. Tarnung, Mimikry, besondere Brut- und Füttergewohnheiten, symbiotische Beziehungen zu anderen Arten und andere komplexe Adaptionen haben es den Spezies erlaubt, Rivalen durch den Einsatz von Ressourcen auszuschalten, die Generalisten nicht zur Verfügung stehen. Im Regenwald ist praktisch keine Nische unbesetzt und viele verschiedene Arten können in einem relativ kleinen Gebiet nebeneinander bestehen, ohne ihre Nachbarn zu beeinträchtigen. Der Entwicklungsprozess setzt sich fort und Arten werden in immer kleinere Nischen gedrängt, bis sie sich unglaublich auf die besondere Art ihres Lebens spezialisiert haben.

Eine alternative Theorie, zur Vielfalt der Regenwälder

Im November 2005 unterbreitete eine Gruppe Wissenschaftler eine neue Theorie zur Erklärung der Artenvielfalt im Regenwald . Sie diskutierten die "Nischentheorie", wie sie im Text links beschrieben wurde, als unzureichend für die Erklärung, wie ökologische Gemeinschaften sich zusammensetzen, um einen begrenzten Raum gemeinsam nutzen zu können. Sie gingen vielmehr davon aus, dass die Mitgliedschaft in einer solchen Gemeinschaft von der Veränderung in der Geburten- und Todesrate unter den Arten abhängig sei. Diese Geburten- und Todesraten hängen von der Artendichte ab - reichlich vorhandene Arten haben eine niedrigere Geburten- und eine höhere Todesrate, während seltene Arten höhere Geburten- und niedrigere Todesraten haben. Faktisch regulieren sich die Regenwaldarten selbst, indem sie für andere Platz machen, wenn sie den Mitgliedschaftsregeln der Gemeinschaft folgen.
Dieser Evolutionsprozess stellt sicher, dass keine gut angepasste Spezies (z. B. Käfer) die gesamte Population der Käfer beherrshct, weil sich diese eine Spezies kaum in allen im Wald vorhandenen Nischen anpassen kann. Als ein Generalist würden die Art wahrscheinlich schnell durch spezialisiertere Arten ausgeschaltet werden. Generalisten erscheinen meist unter gestörten Bedingungen zu gedeihen, wie für die Landwirtschaft gerodeten Gebieten. Hier sind diese "schwächlichen" Arten meist ganz normal. Des Weiteren läuft jede überreich vorhandene Art in de Naturwäldern Gefahr, dass ein Raubtier sich dem anpassen würde, um diese Fülle auszunutzen. Beispielsweise ist der Fehlschlag von Gummibaum- (Hevea brasiliensis) plantagen im Amazonasgebiet auf Mehltau zurückzuführen. Im normalen Regenwald sind Gummibäume weit verstreut, so dass Mehltau höchstens einen einzigen Baum vernichten kann.

Tropische Regenwälder unterscheiden sich deutlich von gemäßigten Wäldern. In gemäßigten Regionen sind viele Pflanzen und Tierarten weiter verbreitet, und ein Wald kann aus einem halben Dutzend Baumarten bestehen. Im Gegensatz dazu haben die tropischen Arten sich so entwickelt, dass sie in enge Nischen einer relativ konstanten Umgebung passen, was zur Entstehung einer grandiosen Vielfalt geführt hat. Beispielsweise konnten mehr als 480 Baumarten auf einem einzigen Hektar tropischen Regenwalds identifiziert werden.

Besucher des Regenwaldes sind oft enttäuscht, von dem was sie sehen, weil sie das Wort "Vielfalt" mit "Fülle" verwechseln. Sie besuchen den Regenwald in der Erwartung zehn Jaguare, Dutzende von Leguanen, die auf der Veranda liegen und große Tukane, die auf sie beim Frühstück warten, zu sehen zu bekommen. Man wird jedoch keine wilden Herden von wilden Tieren oder Zebras wie in der afrikanischen Savanne vorfinden. Auch eine üppige Blütenpracht oder eine Fülle an bunten Vögeln wird man vergebens suchen. Das Leben im Regenwald ist auffallend subtil

Regenwälder sind vielfältig im Hinblick auf die Anzahl der Arten, aber nicht jede Art ist notwendigerweise reichlich vorhanden. Eine Regenwaldarten haben Populationen, deren Zahl in die Millionen geht, während andere aus einer Handvoll bestehen. Die Biologie der tropischen Regenwälder ist eine Biologie seltener Arten. Der Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Arten im Regenwald nicht über den ganzen Wald verbreitet sind, sondern normalerweise sich auf ein paar kleine Gebiete beschränken, denen sie sich besonders gut angepasst haben. Eine bestimmte Art kann in einem Gebiet ganz normal vertreten sein, aber nur 500 m weiter wird sie durch eine andere, ähnliche aber doch verschiedene Art ersetzt. Es gibt einige wenige allgemeine Arten, die an unterschiedlichen Stellen anzutreffen sind, aber es gibt eine Menge seltener Arten, die über den ganzen Wald verteilt sind. Einige dieser Arten sind äußerst selten und kurz vorm Aussterben, insbesondere dann, wenn der Wald gestört wurde. Der Grund für dieses Muster ist, dass viele Arten hoch spezialisiert sind, um in eine ganz besondere Nische zu passen. Wo diese Nische besteht, kann diese Art eine große Population haben und konstant Nachkommen produzieren, die dann aufbrechen, um neue Gebiete zu kolonisieren. Jedoch werden diese Besiedler meistens Misserfolg haben, weil sie nicht mit den spezialisierten Arten der anderen Gebiete konkurrieren können. Deshalb sind diese Besiedler selten in den Gebieten, in denen sie versuchen, Halt zu finden.


Kontrollfragen:
  • Warum wächst die Biovielfalt normalerweise in den Tropen an?
  • Woher/wie bekommt der Regenwald letztendlich seine Energie?
  • Warum sind nur wenige Arten im Regenwald verhältnismäßig zahlreich vertreten?

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Fortsetzung: Baumkronenstruktur, Erdboden, Auswirkungen des Gebiets auf Biovielfalt


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